Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - 15. Januar 2009 - Nr. 32

In Hamburg

kunst_ereignisse


EREIGNISHORIZONT / Künstlerin: Adriane Steckhan / Foto: HillAc, Dezember 2008

Ereignishorizont

Was ist ein Ereignis? Von einem Ereignis sprechen wir dann, wenn an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas für uns Wahrnehmbares geschieht. Ein Würfel wird geworfen. Etwas verändert sich. Etwas tritt in unser Bewusstsein, was vorher nicht da war. Etwas verschwindet.

Je nach wissenschaftlicher Disziplin gibt es unterschiedliche Arten von Ereignissen. Da spricht man z.B. in der Wahrscheinlichkeitstheorie von „Elementarereignissen“, von „sicheren Ereignissen“, von „unmöglichen Ereignissen“, von „Komplementärereignissen“, von „disjunkten Ereignissen“ . . . diese Auflistung könnte beliebig fortgesetzt werden.

In der Astronomie gibt es sogar einen „Ereignishorizont“, den „Event Horizon“. Dort heißt es: „Das einfachste Schwarze Loch besteht aus einer Singularität und einem Ereignishorizont.“


EREIGNISHORIZONT / Künstlerin: Adriane Steckhan / Foto: HillAc, Dezember 2008

Eine Singularität entsteht, wenn ein Stern, der mindestens die 2,5-fache Masse der Sonne besitzt, zur Supernova wird. Er bläht sich auf, um dann unter seiner eigenen Masse zusammenzustürzen. Ein so kollabierender Stern erreicht irgendwann eine kritische Größe, die ihn unwiederbringlich zur Singularität eines Schwarzen Loches, zu einem Punkt, werden lässt. Der Radius, den der kollabierende Stern beim Erreichen seiner kritischen Größe hat, heißt Schwarzschild-Radius. Benannt nach Karl Schwarzschild, einem deutschen Astronomen.

Denken wir uns jetzt um die Singularität eine Kugel mit dem Schwarzschild-Radius, so bildet die Oberfläche dieser Kugel den „Ereignishorizont“. Der „Ereignishorizont“ ist somit die unsichtbare Oberfläche eines Schwarzen Loches. Weder Materie noch Licht oder Informationen können aus dem Inneren dieser Kugel nach außen gelangen. Umgekehrt verschlingen Schwarze Löcher alles, was ihnen in die Quere kommt, sogar Licht.


EREIGNISHORIZONT / Künstlerin: Adriane Steckhan / Foto: HillAc, Dezember 2008

Vom 20. November bis zum 5. Dezember 2008 wurden in den Ausstellungsräumen des Vereins für Kunst im Straßenverkehr Einstellungsraum e.V. Werke der Künstlerin Adriane Steckhan (www.adrianesteckhan.de) gezeigt. Die Ausstellung hatte den Titel EREIGNISHORIZONT.

Fotografien übertragen in Häute aus Acrylpolymer. In Haut eingeschlossene Pigmente. Die Haut - URBAN SKIN - transparent, blasig, gallertartig, irgendwie in Bewegung und jederzeit bereit, sich zu verflüssigen. Konturen, Licht und Strukturen kollabieren, so dass für den Betrachter ganz neue Landschaften in scheinbar anderen Welten entstehen. Parallele Welten, parallele Universen. Der „Ereignishorizont“ als Portal zu einem Wurmloch durch ein Schwarzes Loch in ein paralleles Universum? Als Lektüre empfehle ich „Parallele Universen - Die Suchen nach anderen Welten“ von Fred Alan Wolf (ISBN 3-458-33941-8). Dort insbesondere die Kapitel „Schwarze Löcher: Tore zu parallelen Universen“ und „Eine Fantasiereise durch ein Schwarzes Loch in parallele Welten“.

Unter www.hillac.de/album/as/er_ho/erho_08.htm kannst Du Dir das HillAc-Fotoalbum zu dieser Ausstellung anschauen. Dort sind alle ausgestellten Werke abgebildet.

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FLUSSLICHT 2008 / Von links nach rechts: BAKE, Tuchskulptur von Jens J. Meyer (www.jj-meyer.de) /
REFLEX, Drei Leuchtkästen mit maritimen Motiven von Arne Lösekann (www.creativchaos.de) /
WINDLICHT, Overheadprojektion von Katrin Bethge (www.katrinbethge.de)
Foto: HillAc, November 2008

Flusslicht 2008

„Nächtliche Barkassenfahrt zu Lichtkunst, Hafen und Kai-Illuminationen über den Reiherstieg durch den Hamburger Hafen - 06.-23. November 2008 stündlich ab 17.30 Uhr – Abfahrt: Anleger Baumwall – Fahrtdauer 2 Stunden“ so zu lesen im offiziellen Prospekt zum Projekt FLUSSLICHT 2008.


FLUSSLICHT 2008 / Die Plange-Villa (links) / Foto: HillAc, November 2008

FLUSSLICHT ist ein Projekt des KuBaSta e.V., Idee und Konzept: Mathias Lintl, Projektleitung: Rolf Kellner und Wolfgang Graemer. Mit FLUSSLICHT 2007 begann die Serie der FLUSSLICHT-Projekte, die den Transformationsprozess im Hamburger Hafen und auf der Elbinsel Wilhelmsburg durch temporäre Grundlichtkompositionen und Lichtkunstorte anschaulich machen und künstlerisch kommentieren sollen. Mit FLUSSLICHT 2008 fand das zweite Projekt in dieser Serie statt. Ein gelungenes Projekt, das Stadtentwicklung, Kunst im öffentlichen Raum und Stadthistorie präsentierte.


FLUSSLICHT 2008 / DAS GOLDENE TIER, eine Skulptur von Elisabeth Richnow / Foto: HillAc, November 2008

Der Reiherstieg ist ein alter Seitenarm der Elbe, er durchquert die Elbinsel Wilhelmsburg und verbindet somit die Norderelbe mit der Süderelbe. Er war in den vergangenen Jahrhunderten eine wichtige und stets schiffbare Verbindung zwischen Hamburg und Harburg. Zunächst transportierten die Wilhelmsburger Bauern ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf flachen Ewern durch den Reiherstieg zu den Hamburger Märkten. Bereits im 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Werften am Reiherstieg, die mit einsetzender Industrialisierung an Bedeutung gewannen. In Folge der Errichtung des Hamburger Freihafens im Jahre 1888 entstanden an den Ufern des Reiherstiegs Industrieanlagen zur Lagerung und Veredlung von Rohstoffen. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Anlagen weitgehend zerstört. Einige Flächen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der Hafenwirtschaft neu genutzt andere wurden zur Industriebrache. Es gibt Flächen, die heute einfach nur als Containerstellplätze genutzt werden.


FLUSSLICHT 2008 / Foto: HillAc, November 2008

Die abendlichen Barkassenfahrten durch den Reiherstieg wurden bis zum Wendepunkt bei der Plange-Villa akkustisch mit Kompositionen von Cyrus Ashrafi begleitet. Auf der Rückfahrt gab es Erklärungen zu den Lichtkunstorte und Illuminationen. Wir freuen uns auf FLUSSLICHT 2009. Das HillAc-Fotoalbum zu FLUSSLICHT 2008 kannst du Dir unter www.hillac.de/album/fluli_08/fluli_08.htm anschauen.

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fahrten_schreiber / Aus: STURZ, Installation aus Fundstücken /
Künstler: Arne Lösekann (www.creativchaos.de) / Foto: HillAc, Dezember 2008

fahrten_schreiber

xpon-art wieder in den Ausstellungsräumen des KuBaSta. Vom 4. Dezember 2008 bis zum 11. Januar 2009 wurden in der Repsoldstraße 45 zwölf Künstler „wegen Überschreitung der Lenkzeiten, Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Pausen und Geschwindigkeitsüberschreitungen dazu genötigt, ihre Ladung in den Räumen der Galerie xpon-art zwischen zu lagern. Dabei wurden neben sensiblen Reiseberichten, brisante Auszüge aus Tagebüchern aber auch falsch deklarierte Ladungen entdeckt, welche im Januar in die Asservatenkammer überführt werden müssen“. So die Ankündigung von Arne Lösekann in der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung.


fahrten_schreiber / DIE ASIATISCHE ELFIN (l), JET LI ... IM REGENBOGEN (r) /
Künstler: Nico Vogel (www.nicovogel.de) / Foto: HillAc, Dezember 2008

Die Künstler: Uschi Dechow, Siona Grether, Julia Hofmann, Madlen Kleest, Arne Lösekann, Romy Oberender, Katja Staats, Hanna von Behr, Malte Stienen, Nico Vogel, Dirk Wieczorek und Gabriele Walter.


fahrten_schreiber / Von links nach rechts: ROCK OF THE TOPS (Kollage auf Holz), CAN'T WALK
(Kollage auf Holz), und VERLÄUFE UND ANDERE RANDNOTIZEN (Kollage auf Pappe) /
Künstlerinnen: Julia Hofmann und Madlen Kleest / Foto: HillAc, Dezember 2008

Unter www.hillac.de/album/fasc/fasc.htm kannst Du Dir das HillAc-Fotoalbum zur Ausstellung fahrten_schreiber anschauen. Momentan befindet es sich noch im Aufbau. Nach Fertigstellung sind dort Werke von allen Künstlern, die an dieser Ausstellung teilnahmen, zu sehen.

Jesper Soerensen