Der Zimmermann

Eine Produktion der HillAc
im Auftrag DER JURY

4. Dezember des Jahres 2004 nach deiner Zeitrechnung.

Die siebte Etappe unserer Zeitreise "Der Zimmermann" wird veröffentlicht.

Jesper Sörensen

Siebte Etappe

- Die Welle -

Es gibt gekochtes Hundefleisch.

Natürlich nicht für dich. Für sie existierst du nicht. Du musst dich von dem ernähren, was übrig bleibt. Wenig. Haben sie doch selbst nicht viel.

"Jetzt hat er auch die letzten Hunde erschießen lassen. Vor genau fünf Monaten ließ er die Welpen, Sirius und - meine Katze erschießen. Das werde ich ihm niemals vergessen. Eine der traurigsten Begebenheiten, seit wir die Heimat verlassen haben."

Die raue Stimme schweigt. Er atmet schwer. Nachdenklich schaut er in die Weite.

Jetzt bist du fast dreieinhalb Monate mit den Männern unterwegs. Im Dämmerzustand, ohnmächtig, entkräftet und völlig durchnässt bist du ihnen gefolgt. Dir bleibt nichts anderes übrig. Ohne sie würdest du hier nicht überleben.

- - -

Drei Wochen später.

Die letzten Nächte hast du in einem der drei Boote verbracht. Wenn nur diese zischende Stimme nicht wäre. Sie bedroht dich.

"Ich musste mich auf den Grund zurückziehen! Dort werde ich dich und die Männer auch hinbringen. Sie werden euch einholen. Weiße Pferde mit Mähnen aus Gold und ehernen Hufen."

Ob der Wind tobt oder Schnee fällt, tagsüber arbeitet einer der Männer an diesem Boot. Innen am Kiel wird ein Stützbalken zwischen Bug und Heck eingepasst. Für ein richtiges Deck reicht das Material nicht. Es wird ein Rahmen gebaut, über den eine Plane gespannt werden kann.

Das Schiff hat zwei Masten. Der Hauptmast ist mit einem Gaffelsegel und einer Fock aufgetakelt. Der Besanmast trägt ein Gaffelsegel.

Zwei Tage später.

Dir ist es heute nicht gelungen, das Boot zu verlassen. Alles ist anders. - Ein leichter Seegang wiegt das Boot hin und her.

Heute hämmert und kratzt niemand an dem Boot. Es wird mit Vorräten beladen. Kisten, Dosen, Pakete, Instrumente, Werkzeuge - sogar ein Zimmermannsbeil. Auf dich wird keine Rücksicht genommen. Du musst ausweichen. Hin und her.

- - -

"Notiere: Der 24. Tag des Monats ... 17.30 Uhr ... offenes Meer erreicht ... "

Das Boot befindet sich in einem schweren Seegang. Der Kampf beginnt.

Dienstag, WSW-Brise, bedeckter Himmel.
Mittwoch, Sturmböen, Wolken, schaffen 105 Meilen.
Donnerstag, Sturm aus nördlicher Richtung, bedeckt, schwere Böen.
Freitag, WNW-Wind, dunstig, hohe Dünung.
Samstag, WSW-Wind, Böen, hohe See.
Sonntag, 8.00 Uhr beigedreht, Treibanker, schwere Gischt, Eisbildung auf dem Boot.
Montag, SSW-Sturm, liegen vor Treibanker.

Der elfte Tag.

Der Sturm wird stärker. Schwere Kreuzseen. Schneeböen. Am Horizont ist ein Riss in den Wolken zu sehen.

Der Mann am Ruder:

"Männer!! Es wird bald aufklaren!"

Die zischende Stimmen in deinen Ohren:

"Er ist auf meine Täuschung hereingefallen. He-ho! He-ho!! Zsch!! Zsch!! Jetzt werde ich euch überrollen. Ich werde euch auflösen. Ich werde euch auf den Grund ziehen. Ha - ha - sch - zsch - zsch."

Der Mann am Ruder:

"Um Gottes Willen, haltet euch fest, sie kommt!"

Sechsundzwanzig Jahre Erfahrung auf dem Ozean. Eine so gigantische Welle hat er noch nicht gesehen. Das Boot wird hochgehoben und nach vorn geschleudert. Siedendes Wasser. Tobendes Chaos.

Eine Stimme fleht dich an:

"Du musst ihn aufhalten, sonst seid ihr verloren - mit euch alle anderen Männer. ... Schreie seinen Namen durch den tobenden Ozean ... dann zur Bucht des Königs! Beeile dich! ... Schnell - schnell!"

Das Boot ist halbvoll Wasser und fast zum Sinken voll gesogen.

Fortsetzung folgt ...


zurück