Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - September/Oktober 2006 - Nr. 19

In Hamburg

11. Teil - Winden, Luken und Lasthaken


Speicherblock E: Straßenseitige Speicherluke mit Klapptür, Lasthaken und Steuerstange.
Foto: HillAc, August 2006

In der Speicherstadt gab es keine Lastenaufzüge. Um das An- und Ausliefern von Säcken, Kartons, Kisten und Ballen zu ermöglichen, verfügte jeder Lagerboden über zwei Luken. Eine Luke öffnete sich zur Straße, die andere Luke öffnete sich zu einem Fleet. So konnten die Waren mit einem Fuhrwerk, mit einem Lastwagen oder mit dem Lastkahn, der Schute, an- und ausgeliefert werden.


Speicherblock M: Straßenseitige Luke mit Schiebetür, Lasthaken und Steuerstange.
Foto: HillAc, 11. August 2006

Bei An- und Auslieferung wurden die Waren mit Hilfe einer hydraulischen Windenmaschine an der Außenfassade des Speichers hochgezogen oder heruntergelassen. Der Lasthaken der Winde hing, wie beim "umgekehrten Flaschenzug", am losen Seilende.


Windengiebel mit Kupferdach. Unterhalb des Lasthakens endet die Steuerstange.
Foto: HillAc, 13. August 2006

Die Winde wurde über eine Steuerstange bedient, die senkrecht neben der Luke angebracht war. Sollten Waren hochgezogen werden, so musste man die Stange nach oben schieben. Entsprechend wurde die Stange nach unten gezogen, um Waren herunterzulassen.


Steuerstange an der straßenseitigen Luke im Speicherstadtmuseum. Die rote Markierung an der Steuerstange
steht auf "Halt". Foto: HillAc, 13. August 2006

So werden auch heute noch Waren auf den Speicherböden eingelagert und später weitertransportiert.

Nur zwei Dinge haben sich geändert:

Erstens: Die Speicherböden werden nicht mehr über die fleetseitigen Luken bedient. Die Schuten sind in dieser Funktion in den Fleeten nicht mehr zu finden. Heute sind in den Fleeten die Barkassen mit Touristen auf großer oder kleiner Hafenrundfahrt unterwegs.

Zweitens: Die Winden werden heute nicht mehr hydraulisch, sondern von Elektromotoren angetrieben. Diese Elektromotoren befinden sich auf den Dachböden der Speicher. Die Umstellung auf den elektrischen Antrieb erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg.

In der "Anweisung für die Bedienung der elektrischen Winden 750 kg Tragkraft " aus dem Jahre 1959 ist zu lesen:

". . . Vor der Inbetriebsetzung hat sich der Bedienende davon zu überzeugen, daß die Winde an keiner anderen Luke benutzt wird. Der Gehweg muß mit den Sperrstangen abgesperrt werden. . . . Nach Beendigung der Arbeit ist das Hakengeschirr in Höhe des 4. Bodens zu bringen. . . ."

Den vollständigen Text der Anweisung findest Du an der fleetseitigen Luke des Speicherstadtmuseums.

Heute ist die Speicherstadt der weltweit größte Handelsplatz für Teppiche.


Alltag in der Speicherstadt, Teppiche werden geliefert. Speicherblock L ist straßenseitig
eingerüstet. Ein typisches Bild, denn viele Fassaden werden gegenwärtig restauriert.
Foto: HillAc, August 2006

Jesper Sörensen